Liability Driven Investment: ALM-Fonds

Solvency II wird das Asset Liability Management in Versicherungen und Pensionskassen deutlich verändern. Besonders kleine und mittelgroße Versicherungen und Pensionskassen könnten hier in Zukunft aus Kostengründen über ALM-Fonds vermehrt mit externen Partnern zusammenarbeiten. Wir erklären die Grundzüge der ALM-Fonds.

Solvency II und ALM-Fonds

Solvency II wird die Anforderungen an das Asset Liability Management (ALM) von Versicherungen und Pensionskassen deutlich verändern. ALM-Fonds sind ein Weg, den neuen Anforderungen zu begegnen und dabei die Eigenkapitalanforderungen zu optimieren, bei gleichzeitiger Erhöhung der Flexibilität in der Kapitalanlage.

Der bei Pensionskassen in UK unter Liability Driven Investment (LDI) bekannte ALM-Ansatz könnte bald auch in Kontinentaleuropa Einzug halten. Sollte Solvency II wie geplant umgesetzt werden, werden die EK-Anforder-ungen stark vom Matching der Assets und Liabilities abhängen, das unter anderem über Solvency-II-Szenarien bestimmt wird. Aufgrund der höheren Anforderungen könnten kleine und mittelgroße Versicherungen und Pensionskassen aus Kostengründen mit externen Partnern zusammenarbeiten.

Die Grundidee ist, collateral-fähige Assets wie Cash und Staatsanleihen in einem externen Fonds zu bündeln und über Derivate die Gegenseite der Zinssensitivitäten und Cashflows der Passivseite abzubilden. Mit Cash als Collateral kann man in der Regel ca. das 4-fache des Nominales hedgen, mit  Bonds ca. das 3-fache, da die Bonds bereits eine Duration haben.

Hedging und Renditeoptimierung

Hauptziel des ALM-Fonds ist das genaue Hedging der Passivseite mit dem Unterziel der Renditeoptimierung. Für die Renditeoptimierung gibt es mehrere Möglichkeiten. Bspw. ein strategischer Wechsel des Collaterals von Cash zu Bonds und umgekehrt, Erwirtschaftung einer zusätzliche Rendite über Asset Swaps, Optimierung der Positionierung auf der Zinskurve innerhalb von Bandbreiten sowie ein gutes Markttiming.

Schematische Darstellung eines ALM-Fonds

Der verbleibende, für die Überrendite verantwortliche Teil der Kapitalanlage, wird weiterhin intern gemanagt. Zum Bespiel werden sonstige Anlageklassen wie bswp. Pfandbriefe, Corp. Bonds, Financials weiterhin unter fixen Durationsvorgaben angelegt. Anlageklassen wie Aktien, Immobilien und Total-Return-Strategien sollen und müssen weiterhin einen Teil der Überrendite erwirtschaften. Da das Matching der Zinssensitivität im ALM-Fonds geschieht, wird im verbleibenden Teil der Aktivseite eine höhere Flexibilität möglich und unkorrelierte Assets können vermehrt eingesetzt werden.

Klassische Vorgehensweise

Die klassische Vorgehensweise unterteilt sich in Situationsanalyse (Aktiv-/Passivseite, Besonderheiten Bil.pos., Abbildung Ist-Situation), Modellierung (Cashflows, Marktsensitivitäten Passivseite), Entwicklung Hedgingkonzept (Parameterableitung für ALM-Fonds und weitere Assetklassen, Auswahl Instrumente, Positionierung auf Zinskurve, Marktiming) und Best Execution. Schlussendlich folgt das laufende Management (Überwachung, dynamische Anpassung an Liabilities und Marktsituation, Abgleich der Kundenanforderungen).

Markus Höchtl

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