IFRS: Credit Value Adjustments von Derivaten

Unter IFRS führt kein Weg mehr an Credit Value Adjustments vorbei. Die Materialität des Derivate-Portfolios und eine Kosten/Nutzen-Analyse sind entscheidend für die Wahl der geeigneten Berechnungsmethode. Wir stellen drei CVA-Methoden vor.

Methoden für Credit Value Adjustments

Der erwartete Verlust aus dem Kreditrisiko eines Derivats wird über Credit Valuation Adjustments (CVA) bestimmt. 

Gemäß IAS 39 sind CVA bei der Bildung von Fair Values für die IFRS-Bilanzierung zu berücksichtigen. Zum anderen werden CVA im Pricing für das handelsseitige Risikomanagement / Hedging berechnet. Dabei kann eine einheitliche Methodik für die Bilanzierung und das Risikomanagement verwendet werden. Dieser Anspruch stellt allerdings hohe Anforderungen an die Systemlandschaft.

„IAS 39 fordert die Bildung von CVA bei der Bilanzierung. Die Materialität des Derivate-Portfolios und eine Kosten/Nutzen-Analyse sind entscheidend für die Wahl der geeigneten Berechnungsmethode."

Bilanzeffekte aus CVA

CVA hängen vom erwarteten Exposure des Derivats und von der Bonität des Kontrahenten ab. Nach IFRS sind Fair Value-Korrekturen auch für die eigene Bonität zu bilden. Der Effekt auf die Bilanz kann positiv oder negativ sein. Das aktuelle Exposure entspricht dem Barwert, das erwartete Exposure ist nicht bekannt und damit modellhaft zu bestimmen.

Positive und negative Bilanzeffekte aus CVA

1. Die einfachste Berechnungsart ist die Verwendung von aufsichtsrechtlich vorgegebenen Add-Ons zur näherungsweisen Bestimmung des erwarteten Exposure. Die aufsichtsrechtlich vorgegebenen Add-Ons sind statisch und geben pro Derivateart und Laufzeitintervall einen Tabellenwert vor. Diese Methode stellt die geringsten Anforderungen an die Methodik sowie an die IT-Landschaft. Die aufsichtsrechtlich vorgegebenen Add-Ons sind Vorgaben aus Basel I (1988) und bilden deshalb keine gute Näherung der aktuellen Marktsituation ab. Trotzdem kann für die Bilanzierung aus Kosten/Nutzen-Gründen eine Verwendung der aufsichtsrechtlichen Add-Ons sinnvoll sein. Basis für eine Kosten-Nutzen Analyse sind  Volumen und Zusammensetzung des eigenen Derivateportfolios sowie eine Abschätzung des Bilanzeffektes aufgrund der getroffenen Vereinfachungen.

2. Die exaktere und anspruchsvollere Methode zur Berechnung von CVA ist die Modellierung der zukünftigen Preisverteilung. Für die Berechnung  der zukünftigen PreisverPreisverteilung kann z.B. eine Monte-Carlo-Simulation durchgeführt werden. Für jeden zu definierenden Zeitschritt werden Marktszenarien erzeugt, für die jeweils eine Preisberechnung durchgeführt wird. Der Mittelwert über den positiven Teil der Verteilung pro Zeitschritt ist das erwartete Exposure. Die Methode der Berechnung der CVA über ein Monte-Carlo-Verfahren stellt hohe Ansprüche an die IT-Architekur. Insbesondere bei exotischen Derivaten (kein analytisches Pricing) kann die Berechnungszeit problematisch werden. Darüber hinaus gibt es zahlreiche methodische Fragen zu klären (bspw. Korrelationen zw. Risikofaktoren bei der Szenariogenerierung).

3. Ein pragmatischer Weg zur Berechnung der CVA wäre die Berechnung von aufsichtsrechtlich vorgegebenen Add-Ons mit aktuellen Marktdaten. Dabei wird prinzipiell die Monte-Carlo-Methode angewendet (wie oben), aber pro Derivate-Art und Laufzeitband nur ein aktueller, pauschaler Add-On berechnet, der auf das ganze Portfolio angewendet wird. Das der Berechnung zugrundeliegende Portfolio muss nicht dem Bestand des Hauses entsprechen, es können am Markt quotierte, generische Instrumente verwendet werden. Dieses Verfahren reduziert den Aufwand und die Anforderungen an die Berechnungszeit beträchtlich, liefert aber immer noch aussagkräftige und aktuelle Resultate.

Netting- u. Collateralvereinbarungen

Bei der Berechnung von CVA sind Netting- und Collateralvereinbarungen zu berücksichtigen, unabhängig von den drei beschriebenen Methoden. Bei Nettingvereinbarungen sind die Barwerte der Derivate innerhalb eines Netting-Sets zu aggregieren. Bei Collateralvereinbarungen ist das Collateral aufzurechnen sowie die Margin Period of Risk anstelle der Maturity als Zeithorizont zu verwenden.

Dr. Jürgen Schulze

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