Zinsen: Herausforderungen für Investoren

Zinsen bilden eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Grundlage für die Bewertung und Entwicklung aller anderen Kapitalmärkte. Die Zinsen sind sehr niedrig und werden wohl noch lange auf sehr niedrigen Niveaus verharren. Nicht zuletzt in Europa, wo die europäische Zentralbank gerade erst mit ihrem bis Mitte 2016 laufenden Anleihekaufprogramm begonnen hat. Die Renditen deutscher Bundesanleihen sind im Moment bis hin zu 7-jährigen Laufzeiten negativ. Diese Gesamtsituation stellt Investoren vor große Herausforderungen.

Welche Alternativen bieten sich an?

Anleihen mit längeren Laufzeiten haben in der Vergangenheit im Vergleich zu kurzen Anleihen meist höhere Renditen abgeworfen, weswegen in Niedrigzinsphasen gerne die Laufzeiten der Papiere im Depot verlängert wurden. Momentan rentiert aber selbst die 30-jährige Bundesanleihe nur bei ca. 0,7%. Dieses Renditeniveau steht in keinem günstigen Verhältnis zum höheren Kursrisiko solch lang laufender Anleihen.

Die Umschichtung in risikoreichere Rentenpapiere (bspw. Unter­nehmens­anleihen, Nach­rang­anleihen) wäre eine weitere Alternative um die Gesamtrendite im Portfolio zu erhöhen. Im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen sind die Renditeaufschläge in diesem Bereich zwischenzeitlich aber ebenfalls immer unattraktiver geworden. Auch hier steht die momentan zu erzielende Mehrrendite in keinem adäquaten Verhältnis zum höheren Risiko.

Bleibt nur noch die Hoffnung auf steigende Zinsen

Aber Niedrigzinsphasen können sehr lange anhalten, wie das Beispiel Japan zeigt. Auch wenn die FED demnächst den lange erwarteten Zinserhöhungsprozess für die USA starten sollte, wird dies wohl eher der Beginn einer Serie von Erhöhungen in homöopathischen Schritten sein. Die aktuellen Wirtschaftsdaten unterstützen diese Einschätzung.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass in der Vergangenheit gerade zu Beginn von Zinserhöhungszyklen (in den ersten 12 bis 24 Monaten) festzustellen war, dass dies für andere Kapitalmärkte nicht unbedingt negativ, sondern sogar eher förderlich war. Die Abhängigkeit der Aktienmärkte vom billigen Geld bzw. den niedrigen Zinsen war aber auch noch nie so hoch wie heute, weshalb sich diese Beobachtung vielleicht nicht wiederholt.

Wir halten die Rentenmärkte aber nach wie vor für einen wichtigen Portfoliobaustein und sind zuversichtlich, durch breite Streuung in den Risikoklassen, Flexibilität in der Portfolioallokation und vor allem mit striktem Risikomanagement diese schwierige Zeit mit Erfolg zu meistern.

Abbildung: Zinsen für Staatsanleihen weltweit

Was erwarten die Marktteilnehmer?

Die meisten Teilnehmer erwarten wohl wie wir eine lange Niedrigzinsphase. Die implizite Markteerwartung für 10-jährige europäische Anleihen auf Sicht von 10 Jahren liegt jedoch momentan bei 2,5% bis 3%. Dies liegt an den nach wie vor steilen Zinskurven. Ob sich diese impliziten Markterwartungen realisieren werden bleibt offen. In der Vergangenheit war dies oft nicht der Fall.

In Summe erwarten wir für ein Anleiheportfolio mit mittleren Laufzeiten in der nächsten Zeit eine Performancebandbreite zwischen -2% und +3%. Die Basisverzinsung (Kupon) liegt dabei unter 1%. Um diesen Wert herum erwarten wir eine relativ hohe Volatilität. Kein schönes Szenario. Es bleibt dabei: Die Zinsmärkte stellen Investoren vor große Herausforderungen.

Werner Egeler

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