Negative Zinsen. Ein Paradigmenwechsel!

Ein Paradigmenwechsel steht uns bevor – negative Zinsen könnten zur Normalität an den Kapitalmärkten werden. Dies wäre das Ende der einfachen lognormalen Modellwelt, die seit den 80er Jahren „Industriestandard“ im Zinsrisikomanagement ist.

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Die darin beschriebene Website VolxSmile.de haben wir inzwischen - wegen sehr geringen Interesses - eingestellt. Die Technologie dahinter haben wir hingegen weiterentwickelt. Sie ist bei mehreren Banken im Einsatz.

Paradigmenwechsel: Negative Zinsen

Die Aussagen der EZB deuten darauf hin, dass die Finanzbranche gut daran täte, sich auf die Möglichkeit von Zinsen unter 0% vorzubereiten. Mehrere Ratsmitglieder haben in den letzten Wochen signalisiert, dass die EZB auf diesen Schritt „technisch vorbereitet" sei. Viele (lognormale) Risikoreports haben schon bei sehr niedrigen Zinsen eine geringe Aussagekraft.

„Chaos“ bei den Banken

Negative Zinsen könnten in der jetzigen Situation (lognormale Modellwelt) ein Chaos bei Banken und anderen Finanzinstituten auslösen. So könnten bei negativen Zinsen bspw. regulatorisch vorgeschriebene Meldungen nicht mehr gemacht werden und auch Steuerungs- und Risikokennzahlen nicht mehr ermittelt werden, weil die althergebrachten Prozesse, Methoden und Modelle dann schlichtweg versagen.

Lognormale Modellwelt unbrauchbar

Die Modelle der meisten Marktteilnehmer dürften nach unserer Einschätzung lognormale Zinsmodelle sein. Lognormale Modelle gehen von Zinsen >0% aus. Jetzt könnte man einwenden, dass die Zinsen momentan ja noch immer positiv sind. Das stimmt, aber lognormale Modelle liefern schon bei sehr niedrigen Zinsen keine verlässlichen und brauchbaren Risikokennzahlen mehr. Das bedeutet, dass viele Risikoreports schon heute eine geringe Aussagekraft haben.

Hedge-Effizienz einer 18M1Y Payer-Swaption. Gesamt-PL von Option und Underlying-Swap (Hedge) bei wöchentlicher Hedge-Anpassung mit lognormalem Modell und normalem Modell

Normale Modelle sehen besser aus

Ein einfaches Beispiel zeigt, dass die Hedge-Effizienz von normalen Modellen bei niedrigen Zinsen besser ist. Wir haben dazu die Gesamt-PL einer 18M1Y Payer-Swaption (Strike 0.60%) mit wöchentlich angepasstem Delta-Hedge (lognormal vs. normal) im Zeitraum von 12/12 bis 4/13 untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig. Die Standardabweichung der wöchentlichen PL liegt bei 22 TEUR für das lognormale und bei 11 TEUR für das normale Modell. Das normale Modell ermöglicht also effizienteres Hedging bei niedrigen Zinsen.

Ein fundamentales Thema

Unsere Tests mit unterschiedlichen Zinsmodellen haben einige solche Ergebnisse erbracht. Daher ist aus unserer Sicht die Beschäftigung mit dem fundamentalen Thema „negative Zinsen“ sinnvoll und notwendig. Es ist sicher von Vorteil, schon jetzt einen Plan zu entwerfen, wie im Risikomanagement mit negativen Zinsen umgegangen werden kann.

Markus Höchtl

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Dr. Jochen Schmidt

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