Dividenden: Neubewertung der Aktienmärkte?

"Die Dividende ist der neue Zins" titelte die FAZ im Januar diesen Jahres. Wir haben uns ebenfalls mit dem Thema Dividenden beschäftigt und stellen uns vor dem Hintergrund der Niedrigzinsen die Frage: Findet eine Neubewertung der Aktienmärkte statt?

Signifikanter Zusammenhang mit der Realwirtschaft

Wie aus dem nachfolgenden Diagramm gut zu erkennen ist, stehen die Kapitalmärkte langfristig in einem signifikanten Zusammenhang zur Realwirtschaft. Die reale Wertentwicklung von Aktien, Renten und Immobilien spiegelt im ganz langfristigen Trend die Entwicklung der internationalen realen Wirtschaftsleistung wider.

Abbildung: Weltwirtschaft, Kapitalmärkte, Zinsen und Dividendenrendite; Quelle: Microstep Financial Markets AG

Aktuelle Dividendenrendite global immer noch bei 2,4%

Der nominale Gesamtertrag (Total Return) der Aktienmärkte liegt langfristig betrachtet bei ca. 8,5% p.a.. Davon entfallen im Schnitt etwa ca. 3% auf Dividendenausschüttungen. Dividenden haben heute, nicht zuletzt aufgrund der sehr niedrigen Zinsen, eine hohe Bedeutung gewonnen. In der Zukunft wird diese Bedeutung wohl noch zunehmen.

Dafür gibt es gute Argumente. Die historische Schwankungsbreite der Dividendenrenditen lag, abhängig vom jeweiligen Marktniveau, zwischen 1% und 4% (siehe nachfolgende Abbildung, linke Skala). Dividenden waren in der Vergangenheit also ein relativ konstanter Faktor. Das zeigt sich besonders im Vergleich zu Zinsen, die volatiler waren und vor allem stetig gesunken sind. Zusätzlich haben die Dividenden den gerade für die Zukunft unschätzbaren Vorteil, dass sie regelmäßig ausgeschüttet werden und damit liquide sind.

Die aktuelle Dividendenrendite des Weltmarktes liegt immer noch bei ca. 2,4% (MSCI World), die Dividendenrendite in Europa bei ca. 2,8% (Stoxx Europe 600) und damit nahe am langfristigen Mittel. Die durchschnittliche Rendite am Rentenmarkt liegt aktuell bei nur noch 1% (REX Index) und damit signifikant unter der durchschnittlichen Dividendenrendite. 3,6 Billionen USD bzw. 16% aller ausstehenden Staatsanleihen haben laut PIMCO, dem weltgrößten Anleihemanager, derzeit eine negative Rendite!  Noch bis zum Anfang dieses Jahrzehntes lagen die Renditen am Rentenmarkt teilweise deutlich über der Dividendenrendite.

Abbildung: Zins, Dividenden und Gesamtperformance von Renten und Aktien

Neubewertung der Aktienmärkte?

Diese Situation (Dividendenrenditen höher als durchschnittliche Rentenmarktrenditen) führt sehr wahrscheinlich zu einer Neubewertung der Aktienmärkte. Diese außergewöhnliche Entwicklung ist schon seit einiger Zeit im Gange und die zu erwartende Anpassung wird noch einige Zeit dauern.

Die Anlegerschaft hat sich auf diesen neuen Aspekt noch nicht eingestellt. Viele Investoren stehen den gefühlt hohen Aktienbewertungen recht skeptisch gegenüber. Sie sind (noch) nicht investiert und sehen den Höhenflügen an den Aktienmärkten erstaunt zu. Dies ist ein gewisser Dämpfer für drastische Markteinbrüche. Nach wie vor hohe Zielrenditen, besonders im institutionellen Bereich, führen derzeit dazu, dass Rückschläge als Gelegenheit für Käufe genutzt werden.

Dennoch heißt das natürlich nicht, dass exogene Einflüsse (IS, Ukraine, Griechenland etc.), oder auch eine starke Eintrübung der Weltwirtschaft nicht doch zu stärkeren Aktienmarktkorrekturen führen können. An der Grundaussage, dass die Aktienmärkte noch spürbar Aufwärtspotential haben, ändert das aber nichts.

Werner Egeler

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