Basel III, Kernkapital, Prudent Valuation

Am 31. März 2014 hat die Europäische Bankenaufsicht (EBA) den finalen Entwurf des technischen Standards veröffentlicht, der die Berücksichtigung von Additional Valuation Adjustments im Rahmen der „vorsichtigen Bewertung“ (Prudent Valuation) von Fair Value Positionen detailliert. In unserem Newsletter gehen wir auf die Hintergründe und die erwarteten Auswirkungen auf das Kernkapital ein.

Was ist die „vorsichtige Bewertung“ (Prudent Valuation)?

Das Konzept der vorsichtigen Bewertung stammt aus den Vorgaben zur Ermittlung des Kernkapitals der Capital Requirements Regulation (CRR) aus Basel III. Die vorsichtige Bewertung soll gemäß CRR sicherstellen, dass die Dynamik von zum beizulegenden Zeitwert zu bilanzierenden Positionen des Handelsbuchs angemessen berücksichtigt wird.

Das Konzept der vorsichtigen Bewertung ist laut CRR zunächst ausschließlich für Handelsbuchpositionen formuliert. Andererseits legt die CRR an anderer Stelle fest, dass die Bewertungsstandards auf alle Positionen einheitlich angewandt werden sollen, die zum beizulegenden Zeitwert zu bilanzieren sind. Somit wären auch Positionen des Anlagebuchs zu berücksichtigen.

Der ergänzende technische Standard der EBA vom März 2014 legt eindeutig fest, dass das Konzept der vorsichtigen Bewertung nicht nur für Positionen des Handelsbuchs gilt, sondern für alle zum beizulegenden Zeitwert zu bilanzierenden Positionen.

Wie die Vorgaben an die vorsichtige Bewertung im Detail lauten, wurde in der CRR nicht präzisiert. Dies wurde ebenfalls durch den technischen Standard der EBA durch die finale Definition von Additional Valuation Adjustments festgelegt.

Was sind “Additional Valuation Adjustments”?

Additional Valuation Adjustments (AVA) sind diejenigen zusätzlichen Bewertungskorrekturen, die gebildet werden müssen, um vom beizulegenden Zeitwert (Fair Value) auf den vorsichtigen Wert (Prudent Value) zu kommen. Die AVA sind eine Ergänzung zu den Fair Value Adjustments, die ohnehin in der Bestimmung der beizulegenden Zeitwerte zu berücksichtigen sind.

Das Konfidenzniveau für die Bildung der AVA sollte gemäß Vorgabe des technischen Standards der EBA 90% betragen. Dies gilt z.B. für Marktpreisunsicherheiten, Modellunsicherheiten und auch für Unsicherheiten bezüglich Fundingkosten. Falls möglich sollte ein datenbasierter Ansatz zur Bestimmung der AVA gewählt werden, aber auch Expertenschätzungen sind grundsätzlich zulässig.

Wie hoch sind die zu erwartenden Auswirkungen auf das Kernkapital?

Die Auswirkungen der AVA auf das Kernkapital (CET1) wurden von der EBA im Rahmen einer Quantitative Impact Study in Zusammenarbeit mit 59 Banken untersucht.

Dabei gilt die Definition:

•   Small Bank: Summe der Beträge der Fair Values < 15 Milliarden

•   Medium Bank: Summe der Beträge der Fair Values zwischen 15 und 100 Milliarden

•   Large Bank: Summe der Beträge der Fair Values > 100 Milliarden.

Unterschreitet die Summe der Beträge der Fair Values eine Schwelle von  15 Milliarden EUR, kann alternativ ein vereinfachter Ansatz an-gewandt werden. In diesem Fall können die AVA pauschal mit 0,1% der aggregierten Fair Values angesetzt werden.

Was genau bedeutet „finaler Entwurf des technischen Standards“ der EBA?

Die CRR ermächtigt die EBA, zusätzliche technische Standards festzulegen, die die Anforderungen aus der CRR ergänzen und detaillieren. Die Veröffentlichung eines „finalen Entwurfs des technischen Standards“ durch die EBA bedeutet, dass dieser von der EBA an die EU Kommission zur Genehmigung gegeben wurde.

Diese Genehmigungsphase läuft derzeit für den Technischen Standard zur Prudent Valuation. Dies kann einige Monate dauern, grundsätzlich ist aber zu erwarten, dass der Standard genehmigt wird. Sobald dies erfolgt ist, tritt der Standard unverzüglich in Kraft. Dies bedeutet, dass mit der Analyse der Anforderungen zeitnah begonnen werden sollte.

Dr. Jürgen Schulze

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